Wie entsteht Polydipsie (starker Durst)? (2023)

Kurzübersicht

  • Was ist Polydipsie? übermäßiges Durstgefühl, oft Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung
  • Ursachen: z.B. starker Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen, Durchfall oder Schwitzen, Fieber, Diabetes mellitus, Diabetes insipidus, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder Niere, psychische Faktoren, bestimmte Medikamente
  • Wie hängen Polydipsie und Diabetes zusammen? Je nach Diabetes-Form löst entweder die erhöhte Zuckerkonzentration im Urin die Polydipsie aus (Diabetes mellitus) oder aber ein Mangel bzw. eine fehlende Wirksamkeit des Hormons ADH (Diabetes insipidus).
  • Wann zum Arzt? wenn das starke Durstgefühl über Tage anhält und/oder von weiteren Symptomen (häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust etc.) begleitet wird.
  • Was tun bei Polydipsie? Je nach Ursache z.B. viel trinken und Elektrolytverlust ausgleichen (bei starkem Schwitzen oder Durchfall), Behandlung der Grunderkrankung
Zum Inhaltsverzeichnis

Polydipsie: Definition

Durst ist ein natürliches und lebenswichtiges Signal dafür, dass der Körper mehr Flüssigkeit braucht – wir also etwas trinken sollen. den Flüssigkeitshaushalt in Balance zu halten.

Anders sieht es bei Polydipsie aus: Mediziner verstehen darunter ein übermäßig gesteigertes Durstgefühl. Es ist meist Anzeichen einer Erkrankung und tritt oft zusammen mit einer Polyurie auf – also einer vermehrten Wasserausscheidung. In der Folge kann es zu einem alarmierenden Flüssigkeitsverlust im Körper kommen.

So entsteht Durst

Das Durstzentrum sitzt im Gehirn, genauer gesagt im Hypothalamus. Dort überwachen spezialisierte "Messfühler" die Flüssigkeitsmenge im Körper (über das Blutvolumen) sowie die genaue Konzentration an Elektrolyten (wie Natrium und Kalium). Ein Durstgefühl wird nun ausgelöst, wenn:

  • der "Wasserpegel" im Körper um mindestens ein halbes Prozent absinkt (z.B. bei schweißtreibendem Sport) oder
  • die Konzentration an Blutsalzen wie Natrium erhöht ist (z.B. durch den Verzehr einer Tüte Chips), sodass eine "Verdünnung" nötig wird.

An der Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes sind Hormone beteiligt. Einer dieser wichtigen Botenstoffe ist das ADH (Antidiuretisches Hormon):

Bei Flüssigkeitsmangel schüttet das Zwischenhirn ADH aus. Über den Blutstrom gelangt es zu den Nieren und veranlasst diese, Harn zurückhalten – damit der Körper nicht noch mehr Flüssigkeiz verliert. Der wenige Urin, der abgeht, ist stark konzentriert und dunkelgelb.

Bei Schädigung des Hypothalamus sowie im Alter geht oft das Durstgefühl verloren. Betroffene trinken dann viel zu wenig, sodass der Flüssigkeitsanteil im Körper stark absinken kann. Eine solche Austrocknung (Dehydration, im Extremfall: Exsikkose) kann innerhalb weniger Tage zum Tod führen!

Zum Inhaltsverzeichnis

Polydipsie: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Eine Polydipsie kann unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Schilddrüsenerkrankungen: Hier ist vor allem die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zu nennen. Der Körper produziert dabei z uviele Schilddrüsenhormone, wodurch der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Häufige Symptome: ungewollter Gewichtsverlust trotz guten Appetits, Nervosität, Schlafstörungen, starkes Schwitzen und Polydipsie.
  • Cushing-Syndrom: Hier verursacht ein Überschuss am Hormon Cortisol Symptome wie Vollmodgesicht, Stammfettsucht (massiger Bauch, schlanke Arme und Beine), hoher Blutzuckerspiegel mit Polydipsie und Polyurie, Akne, Muskelschwäche, Bluthochdruck und Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).
  • Hyperkalzämie (Überschuss an Kalzium im Blut): Mögliche Ursachen sind z.B. eine Erkrankung der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus), bösartige Tumoren und Unterfunktion der Nebennierenrinde. Eine Hyperkalzämie kann unter anderem Polyurie und Polydipsie auslösen.
  • Nierenerkrankungen: Veränderungen des Nierengewebes durch Entzündungen oder Tumore können zu einer krankhaft verstärkten Urinausscheidung oder einem Diabetes insipidus (siehe unten) führen.
  • Medikamente: Als Nebenwirkung steigern einige Arzneistoffe den Durst. Dazu zählen vor allem harntreibende Medikamente (Diuretika). Auch die Einnahme des Antidepressivums Lithium kann anfangs eine Polydipsie auslösen.
  • psychische Ursachen: Bei bestimmten Formen von Zwangsverhalten und Schizophrenie, aber auch zu Beginn einer Magersucht (Anorexie) trinken die Betroffenen oft größere Mengen Flüssigkeit. Unter einem gesteigerten Durstgefühl leiden sie aber nicht, das heißt, es liegt hier keine körperliche Ursache für das vermehrte Trinken vor.
  • Fieber: Bei Anstieg der Körpertemperatur (durch verschiedene Infekte) verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit, was oft ein starkes Durstgefühl auslöst.
  • Durchfall und Erbrechen: Bei starkem Erbrechen und/oder Durchfall kann der Körper viel Flüssigkeit verlieren und so schnell austrocknen. Hier lautet dann die Devise: trinken, trinken, trinken! Sonst kann es rasch (lebens-)gefährlich werden!
  • Hirnschäden: Bei gewissen Hirnschäden kann die Durstregulation oder die Freisetzung des Hormons ADH gestört sein. In der Folge kann sich das Trinkverhalten verändern, so zum Beispiel bei Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung, Hirnquetschung, Zysten, Tumoren oder Entzündungen im Bereich von Hypothalamus oder Hypophyse sowie nach Hirnoperationen.

Vor allem aber kann Polydipsie bei Diabetes auftreten!

Zum Inhaltsverzeichnis

Zusammenhang Polydipsie & Diabetes

Ein krankhaft gesteigertes Durstgefühl und damit verbunden meist auch eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme sind oft auch Symptom von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und von Diabetes insipidus (Wasserharnruhr).

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Egal, ob Diabetes mellitus Typ 1 (angeboren) oder Typ 2 (erworben) – die Auswirkungen sind praktisch die gleichen: Der energiereiche Blutzucker kann nur unzureichend in die Körperzellen aufgenommen werden. Der Blutzuckerspiegel ist krankhaft erhöht, weshalb der Körper versucht, den vielen Zucker über den Urin auszuscheiden – Zucker bindet viel Wasser, sodass die Betroffenen viel Harn ausscheiden (Polyurie), der zudem süßlich schmeckt. Außerdem löst der hohe Blutzuckerspiegel bei Diabetikern starken Durst aus (Polydipsie).

Diabetes insipidus (Wasserharnruhr)

Wie oben erwähnt, ist das Antidiuretische Hormon (ADH) wichtig für die Regulierung des Wasserhaushaltes. Besteht aber ein Mangel an ADH oder sprechen die Nieren nicht ausreichend auf das Hormon an (z.B. aufgrund einer Nierenerkrankung), scheiden Betroffene übermäßig viel Urin aus (Polyurie) - mehr als drei Liter am Tag! Zudem leiden die Betroffenen unter heftigem Durst (Polydipsie).

Zum Inhaltsverzeichnis

Polydipsie: Wann müssen Sie zum Arzt?

Bei Erwachsenen genügt normalerweise eine Trinkmenge von ungefähr zwei Liter pro Tag. Manchmal ist der Flüssigketisbedarf auch höher, etwa beim Sport oder nach einem stark salzigen Essen. Auch wenn im Sommer die Temperaturen steigen, ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen mehr trinken. Ein verstärkt auftretendes Durstgefühl erfordert also nicht immer sofort einen Arztbesuch.

Wenn Ihr starkes Durstgefühl aber über Tage hinweg anhält und Sie übermäßig viel Flüssigkeit trinken und/oder folgende Anzeichen hinzukommen, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen:

  • Gewichtsverlust
  • häufiges und vermehrtes Wasserlassen
Zum Inhaltsverzeichnis

Polydipsie: Was macht der Arzt?

Der Arzt muss zunächst die Ursache der Polydipsie abklären. Dazu wird er zuerst im Gespräch mit Ihnen Ihre Krankengeschichte erheben (Anamnese). Beispielsweise fragt er dabei:

  • Seit wann verspüren Sie starken Durst?
  • Wie viel trinken Sie am Tag?
  • Welche Getränke nehmen Sie zu sich?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Haben Sie noch andere Symptome wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen?

Die anschließende körperliche Untersuchung umfasst unter anderem eine Blutdruckmessung und eine Blutabnahme. Bei der Blutuntersuchung wird unter anderem auf die Blutzuckerwerte sowie die Menge an verschiedenen Elektrolyten geachtet. Ebenfalls wichtig ist eine Urinuntersuchung, bei der die Zuckerkonzentration im Urin gemessen wird – viel Zucker im Urin deutet auf DIabetes mellitus hin.

Besteht der Verdacht auf einen Diabetes insipidus, kann der Arzt bei Ihnen einen sogenannten "Durstversuch" machen: Dazu dürfen Sie über einen Zeitraum von mehreren Stunden weder essen noch trinken. Der Arzt beobachtet Ihre körperliche Reaktion auf den Durst und ermittelt stündlich Ihr Körpergewicht und verschiedene Blutwerte.

Ein "Durstversuch" ist für Betroffene nicht gerade angenehm, da sich ein fast nicht aushaltbares Durstgefühl einstellt. Außerdem lässt diese Untersuchung nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Ursache der Polydipsie zu. Deshalb haben Wissenschaftler 2018 einen Test entwickelt, der besser geeignet sein soll: Hierbei wird ermittelt, ob das Hormon ADH nicht mehr ausreichend gebildet wird oder in der Niere nicht mehr ausreichend wirkt oder ob eine Störung des Durstempfindens der Polydipsie zugrunde liegt. Dieser Test wurde zum Beispiel schon an der Leipziger Universitätsmedizin angewendet.

Steht die Ursache für die Polydipsie fest, kann der Arzt eine geeignete Behandlung vorschlagen. Bei Zuckerkrankheit umfasst diese zum Beispiel regelmäßige körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Abbau von Übergewicht und je nach Bedarf blutzuckersenkende Medikamente.

Zum Inhaltsverzeichnis

Polydipsie: Das können Sie selbst tun

Meist steigert sich das Trinkbedürfnis, weil der Körper vermehrt Wasser ausscheidet – etwa bei einer fieberhaften Erkrankung oder bei einem Magen-Darm-Infekt mit Erbrechen und/oder Durchfall. Da der Körper mit dem Harn auch Mineralien (Elektrolyte) verliert, sollten Sie auch dieses Defizint möglichst schnell ausgleichen. Somit gilt:

  • viel trinken
  • verloren gegangene Elektrolyte ersetzen, etwa mit einer Wasser-Salz-Zucker-Lösung in der richtigen Zusammensetzung (z.B. fertige Elektrolytlösung aus der Apotheke)

Starkem Durst vorbeugen

Einer nicht krankheitsbedingten Polydipsie können Sie mit folgenden Tipps vorbeugen:

  • Alkohol nur in Kombination mit Wasser: Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Nach einer feucht-fröhlichen Nacht erwacht man morgens daher oft mit starkem Durst sowie Kopfschmerzen. Zur Vorbeugung sollten Sie am besten nach jedem Glas Alkohol ein Glas Wasser trinken. Das gleicht den Flüssigkeitspegel wieder aus.
  • Koffein in Maßen: Koffein im Kaffee oder Schwarztee wirkt harntreibend und hemmt die ADH-Produktion. Zwar gewöhnt sich der Körper ans Koffein, sodass regelmäßiger Konsum nicht mehr übermäßig viel Wasser entzieht. Bestenfalls trinken Sie aber zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser – und laut einer australischen Studie weniger als sechs Tassen pro Tag. Sonst steigt der Blutdruck und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.
  • süße Getränke meiden: Süße Fruchtsäfte und Limonaden löschen oft den Durst nicht, sondern verstärken das Durstgefühl. Deshalb sollten Sie lieber Wasser, Fruchtsaftschorlen oder ungesüßten Früchtetee trinken.
  • Bei Sport und Hitze ausreichend trinken: Beim Sport und bei hohen Temperaturen im Sommer sollten Sie besonders sorgfältig auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Experten empfehlen je nach Körpergewicht und Schweißverlust 1,5 bis drei Liter pro Tag.
  • Salz ins Wasser mixen: In heißen Ländern bekommen frische Säfte oft eine kleine Prise Salz beigemischt – das löscht nicht nur den Durst, sondern bringt auch die verlorenen Elektrolyte wieder ins Gleichgewicht. So hat Polydipsie wenig Chancen.
Zum Inhaltsverzeichnis
Top Articles
Latest Posts
Article information

Author: Kareem Mueller DO

Last Updated: 06/19/2023

Views: 6008

Rating: 4.6 / 5 (46 voted)

Reviews: 93% of readers found this page helpful

Author information

Name: Kareem Mueller DO

Birthday: 1997-01-04

Address: Apt. 156 12935 Runolfsdottir Mission, Greenfort, MN 74384-6749

Phone: +16704982844747

Job: Corporate Administration Planner

Hobby: Mountain biking, Jewelry making, Stone skipping, Lacemaking, Knife making, Scrapbooking, Letterboxing

Introduction: My name is Kareem Mueller DO, I am a vivacious, super, thoughtful, excited, handsome, beautiful, combative person who loves writing and wants to share my knowledge and understanding with you.